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WLAN-Kanalbündelung im Enterprise-Netzwerk: Stabilität und Bandbreite in den deutschen Funkbändern

WLAN im Lager: Access Point mit grüner Status-LED unter einem Stahlträger, in der Regalgasse ein Mitarbeiter mit Handscanner
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WLAN-Kanalbündelung (Channel Bonding) verdoppelt mit jeder Stufe die Spitzenrate eines einzelnen Clients. Stabil wird ein Enterprise-WLAN mit vielen Access Points dadurch nicht, denn es lebt von genug Kanälen, die sich im Gebäude wiederverwenden lassen. Die Kanalbreite ist deshalb keine Frage der Hardware-Fähigkeit, sondern eine Planungsentscheidung pro Funkband und pro Fläche.
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Was Channel Bonding technisch macht

Ein WLAN-Kanal ist im Grundraster 20 MHz breit. Seit 802.11n lassen sich benachbarte 20-MHz-Kanäle zu 40 MHz zusammenfassen, mit 802.11ac zu 80 und 160 MHz, mit Wi-Fi 7 (802.11be) im 6-GHz-Band zu 320 MHz. Doppelte Kanalbreite heißt annähernd doppelte Anzahl an Unterträgern und damit annähernd doppelte PHY-Rate.

Bei der WLAN-Kanalbündelung gibt es immer einen Primärkanal und Sekundärkanälen. Beacons, Management-Frames und alle Übertragungen von Clients, die nur 20 MHz beherrschen, laufen über den Primärkanal. Bevor ein Access Point gebündelt senden darf, muss er prüfen, ob alle beteiligten 20-MHz-Teilkanäle frei sind. Ist einer belegt, sendet er schmaler oder wartet.

Ein gebündelter Kanal ist damit nur so frei wie sein am stärksten belegter Teilkanal.

Physik und Regulierung: drei Dezibel pro Verdopplung

Der thermische Noise Floor steigt mit der Bandbreite. Bei 20 MHz liegt es rechnerisch bei rund −101 dBm, bei 80 MHz bei −95 dBm, bei 160 MHz bei −92 dBm und bei 320 MHz bei −89 dBm. Jede Verdopplung der Kanalbreite kostet bei gleicher Sendeleistung 3 dB Signal-Rausch-Abstand (SNR).

In Europa verstärkt die Regulierung diesen Effekt. Die zulässige Sendeleistung ist in allen WLAN-Bändern über eine Leistungsdichte pro MHz und eine Obergrenze für die Gesamtleistung geregelt. Im 5-GHz-Band gelten 10 mW/MHz bei maximal 200 mW im unteren Bereich und 50 mW/MHz bei maximal 1 W im oberen Bereich (Bundesnetzagentur, Vfg. 136/2022), im 6-GHz-Band für Innenraum-Access-Points 10 dBm/MHz bei maximal 23 dBm (Bundesnetzagentur, Vfg. 76/2025). Rechnet man nach, ist die Obergrenze in jedem dieser Bereiche bereits bei 20 MHz erreicht.

Ein gebündelter Kanal bekommt in Deutschland keine zusätzliche Leistung. Er verteilt lediglich dieselbe Leistung auf mehr Spektrum.

Von 20 auf 80 MHz verliert die Verbindung damit rund 6 dB SNR, von 20 auf 160 MHz rund 9 dB. Das entspricht je nach Ausgangslage mehreren MCS-Stufen. Im Nahbereich des Access Points bleibt der Bandbreitengewinn real. Am Zellrand, wo Handscanner, Staplerterminals und Laptops in Besprechungsräumen tatsächlich arbeiten, frisst der Verlust einen großen Teil davon wieder auf.

Kanalbündelung in den Funkbändern, die in Deutschland erlaubt sind

Für WLAN stehen in Deutschland drei Bänder zur Verfügung, dazu ein Randbereich oberhalb des 5-GHz-Bands. Jedes Band hat ein anderes Verhältnis von Spektrum, Sendeleistung und Regulierung und damit einen anderen Spielraum für Kanalbündelung. Die folgende Tabelle zeigt, wie viele überlappungsfreie Kanäle jeweils möglich sind:

Band Kanäle für WLAN 20 MHz 40 MHz 80 MHz 160 MHz 320 MHz
2,4 GHz 1 bis 13 3 überlappungsfrei praktisch 1 – – –
5 GHz 36 bis 64 und 100 bis 140 19 9 4 2 –
davon ohne DFS 36 bis 48 4 2 1 0 –
6 GHz 1 bis 93 24 12 6 3 1

2,4 GHz: kein Platz für Bündelung

Im 2,4-GHz-Band stehen die Kanäle 1 bis 13 zur Verfügung, für WLAN mit maximal 100 mW EIRP und 10 mW/MHz Leistungsdichte (Bundesnetzagentur, Vfg. 91/2025). Von 13 Kanälen sind in der Regel drei überlappungsfrei nutzbar (1, 6, 11). Ein 40-MHz-Kanal belegt die Hälfte des Bands und lässt neben sich keinen sauberen zweiten Kanal zu. Bluetooth, Funk-Peripherie, Mikrowellengeräte und ältere Industriefunkstrecken teilen sich dasselbe Spektrum.

Für das 2,4-GHz-Band gilt bei uns ohne Ausnahme: 20 MHz. Das Band dient heute als Fallback für Legacy-Geräte, IoT-Sensoren und Gebäudetechnik, nicht als Kapazitätsband. In dichten Umgebungen schalten wir einen Teil der 2,4-GHz-Radios gezielt ab, statt sie sich durch Co-Channel Contention (CCC) gegenseitig ausbremsen zu lassen. In der Branche ist dafür fast immer von Co-Channel Interference (CCI) die Rede. Genau genommen ist das falsch: Die Access Points stören ihre Frames nicht, sie warten per CSMA/CA aufeinander und teilen sich die Airtime.

5 GHz: das Brot-und-Butter-Spektrum mit DFS-Risiko

Das 5-GHz-Band ist in Deutschland in drei Bereiche geteilt (Bundesnetzagentur, Vfg. 136/2022, geändert durch Vfg. 49/2023):

  • Kanäle 36 bis 48: 200 mW, im Gebäude und in Fahrzeugen, außen nur eingeschränkt, ohne DFS- oder TPC-Pflicht.
  • Kanäle 52 bis 64: 200 mW, nur innerhalb von Gebäuden, mit TPC und DFS.
  • Kanäle 100 bis 140: 1 W, innen und außen, mit TPC und DFS.

Nur vier der 19 Kanäle mit 20 MHz kommen ohne DFS aus. Bei 80 MHz bleibt ohne DFS genau ein Kanal, bei 160 MHz keiner. Jeder 160-MHz-Kanal im deutschen 5-GHz-Band hängt damit an DFS.

DFS ist Betriebsrealität („Bei uns gibt es kein Radar, wir sind ja kein Flughafen.“ – Wetterradar, Schiffsradar und militärische Systeme fragen nicht nach dem Standort des Bürogebäudes). Erkennt ein Access Point ein Radarsignal, muss er den Kanal räumen und darf ihn 30 Minuten lang nicht nutzen. Bevor er einen neuen DFS-Kanal belegt, muss er 60 Sekunden lauschen. Auf den Kanälen 120 bis 128, deren Frequenzen sich WLAN mit Wetterradar teilt, sind es 10 Minuten (ETSI EN 301 893 V2.2.1). Betroffen ist damit auch der 80-MHz-Block 116 bis 128 und der 160-MHz-Block 100 bis 128.

Für die Kanalbündelung entscheidend: Ein Radarsignal auf einem einzigen 20-MHz-Teilkanal trifft den gesamten gebündelten Kanal. Ein Access Point auf 20 MHz verliert bei einem DFS-Ereignis einen Kanal. Ein Access Point auf 160 MHz verliert acht Kanäle auf einmal und muss mit allen Clients umziehen.

Oberhalb von Kanal 140 endet die WLAN-Allgemeinzuteilung. Die Kanäle 149 bis 173 sind nur für Geräte geringer Reichweite mit maximal 25 mW EIRP freigegeben (Bundesnetzagentur, Vfg. 91/2025). Für eine Enterprise-Kanalplanung spielen sie wegen der geringen Leistung und der uneinheitlichen Client-Unterstützung keine Rolle.

6 GHz: das Band, in dem Bündelung richtig Sinn ergibt

Im 6-GHz-Band stehen in Deutschland die Kanäle 1 bis 93 zur Verfügung, also 24 Kanäle mit 20 MHz. Die Bundesnetzagentur unterscheidet zwei Geräteklassen (Bundesnetzagentur, Vfg. 76/2025):

  • Low Power Indoor (LPI): maximal 23 dBm EIRP und 10 dBm/MHz, nur in Innenräumen, Access Points mit fester Stromversorgung und integrierter Antenne. Außenbetrieb ist ausgeschlossen.
  • Very Low Power (VLP): maximal 14 dBm EIRP und 1 dBm/MHz, innen und außen, aber nur für tragbare Geräte.

Eine dritte Klasse mit höherer Leistung und zentraler Frequenzkoordination, wie sie in den USA als Standard Power existiert, gibt es in Europa nicht. Das obere 6-GHz-Band oberhalb von Kanal 93 ist für WLAN ebenfalls nicht freigegeben: Die Radio Spectrum Policy Group hat im November 2025 empfohlen, die Kanäle 129 bis 233 vorrangig dem Mobilfunk zuzuordnen und über die Kanäle 97 bis 125 erst nach der Weltfunkkonferenz 2027 zu entscheiden (RCR Wireless). Für die Planung der nächsten Jahre bleibt es bei den Kanälen 1 bis 93.

Diese 24 Kanäle sind trotzdem das beste Spektrum für Kanalbündelung, das ein Enterprise-WLAN in Deutschland hat. Es gibt kein DFS, keine Legacy-Clients, die den Kanal mit langsamen Übertragungen blockieren, und sechs saubere 80-MHz-Kanäle. Das sind mehr breite Kanäle ohne Radarrisiko als im gesamten 5-GHz-Band.

Die Grenzen liegen in Kanalzahl und Leistung. Drei 160-MHz-Kanäle reichen für eine saubere Kanal-Wiederverwendung in einem größeren Gebäude in der Regel nicht. Für 320 MHz gibt es zwei mögliche Lagen, die sich überlappen, nutzbar ist damit faktisch genau ein Kanal pro Fläche. Dazu kommt die feste Leistungsgrenze: Ein LPI-Access-Point auf 160 MHz sendet mit 1 dBm/MHz statt 10 dBm/MHz auf 20 MHz, also mit rund 9 dB weniger Leistungsdichte. Hinzu kommen ein etwas höherer Free Space Path Loss und eine höhere Wanddämpfung als bei 5 GHz. Die Zellen werden kleiner, das AP-Raster muss dichter werden als bei einer reinen 5-GHz-Planung.

Ein Punkt, der in 6-GHz-Projekten regelmäßig untergeht: Clients finden 6-GHz-Netze in der Regel über Hinweise in den Beacons des 2,4- und 5-GHz-Bands (Reduced Neighbor Report). Ein instabiles 5-GHz-Netz beeinträchtigt damit auch den Einstieg ins 6-GHz-Band. Dazu verlangt 6 GHz WPA3, was ältere Authentifizierungsprofile und manche Client-Treiber zum Thema macht.

Stabilität oder Bandbreite: wo der Konflikt im Betrieb sichtbar wird

Eine typische Frage, die uns erreicht: Das WLAN im Lager macht dauernd Probleme mit den Handscannern, was ist zu tun? In einem erheblichen Teil dieser Fälle steht im Controller eine Kanalbreite, die für ein Büro mit wenigen Access Points gewählt wurde, nicht für eine Halle mit vielen.

Die Rechnung ist einfach. Ein Gebäude mit 60 Access Points im 5-GHz-Band hat bei 20 MHz 19 Kanäle zur Verfügung, bei 80 MHz nur vier. Mit vier Kanälen hört in der Regel jeder Access Point mehrere Nachbarn auf seinem eigenen Kanal. Durch diese Co-Channel Contention müssen sie sich die Airtime teilen: Der Kanal ist viermal so breit, aber nur noch einen Bruchteil der Zeit frei. Die aggregierte Kapazität des Gebäudes steigt dadurch nicht, sie sinkt meist.

Für die Clients sieht der Betrieb dann so aus:

Mehr Wiederholungen. Ein schlechterer SNR am Zellrand bedeutet mehr fehlerhafte Frames, mehr Retransmissions und schwankende Latenz. Für Sprache, Scanner-Transaktionen und Terminal-Sessions ist Jitter schädlicher als eine geringere Datenrate.

Instabiles Roaming. Wenn sich viele Zellen auf wenigen Kanälen überlagern und Access Points wegen Co-Channel Contention ihre Leistung automatisch absenken, werden Zellgrenzen unscharf. Clients bleiben zu lange an einem schwachen Access Point hängen oder springen hin und her.

DFS-Kanalwechsel unter Last. Mit 80 oder 160 MHz im 5-GHz-Band trifft ein Radarereignis mehr Access Points gleichzeitig. Ein Kanalwechsel bedeutet für viele Clients einen kurzen Verbindungsabbruch, für manche Anwendungen einen neuen Login.

Ein Access Point mehr pro Regalgasse macht sich schnell bezahlt. Eine Stunde Ausfall der Kommissionierung, weil 40 Scanner gleichzeitig die Session verlieren, kostet ein Vielfaches.

Breite Kanäle sind trotzdem nicht falsch. In einem Besprechungsraum mit einem Access Point, der Clients aus wenigen Metern bedient, oder für einen Wi-Fi-7-Client, der große Datenmengen in kurzer Zeit überträgt und den Kanal danach wieder freigibt, bringt Bündelung genau das, was sie verspricht. Entscheidend ist, ob das Spektrum des jeweiligen Bands für die nötige Wiederverwendung reicht.

Puncturing, dynamische Kanalbreite und MLO: was Wi-Fi 7 entschärft

Wi-Fi 7 bringt drei Mechanismen mit, die den Konflikt verkleinern, aber nicht auflösen.

Preamble Puncturing erlaubt einem Access Point, einzelne gestörte 20-MHz-Teilkanäle aus einem breiten Kanal herauszunehmen und den Rest weiter zu nutzen. Das funktioniert ab 80 MHz und ist im 6-GHz-Band verpflichtend, im 5-GHz-Band optional (Keysight, Navigating Wi-Fi 7). Gegen ein Nachbar-WLAN auf einem Sekundärkanal hilft das. Gegen die SNR-Physik und gegen fehlende Kanäle für die Wiederverwendung hilft es nicht.

Dynamische Kanalbreite gibt es schon länger: Access Point und Client entscheiden pro Übertragung, ob sie die volle Breite nutzen oder auf den Primärkanal zurückfallen. Das verhindert Totalausfälle, macht das Verhalten aber schwerer vorhersagbar. Spitzenrate im Datenblatt und Rate im Betrieb liegen dann weit auseinander.

Multi-Link Operation (MLO) verbindet einen Client gleichzeitig über mehrere Bänder. MLO lässt sich für Bandbreite einsetzen, indem Daten über 5 und 6 GHz parallel laufen, oder für Stabilität, indem ein Link einspringt, wenn der andere gestört ist. Für betriebskritische Anwendungen ist die zweite Variante oft wertvoller als jede zusätzliche Kanalbreite. Voraussetzung sind MLO-fähige Clients, und die sind z. B. in Industrie und Medizintechnik noch selten.

Wie wir Kanalbreiten im Enterprise-WLAN festlegen

Unsere Ausgangsregel passt auf eine Zeile: Die Kanalbreite folgt der Anzahl der Access Points, die sich gegenseitig hören, nicht der Fähigkeit des Access Points.

Daraus ergeben sich folgende Leitplanken:

  • 2,4 GHz: immer 20 MHz, Radios in dichten Bereichen gezielt reduziert.
  • 5 GHz in dichten Flächen (Lager, Produktion, Großraumbüro, Hörsaal, Veranstaltungsfläche): 20 MHz, damit alle 19 Kanäle für die Wiederverwendung zur Verfügung stehen. Die Wetterradar-Kanäle 120 bis 128 setzen wir dort, wo ein DFS-Wechsel 10 Minuten Wartezeit nach sich ziehen kann, bewusst sparsam ein.
  • 5 GHz in normal belegten Büroflächen: 40 MHz, wenn die Kanalplanung zeigt, dass neun Kanäle für die Wiederverwendung reichen.
  • 6 GHz: 80 MHz als Standard, 40 MHz in High-Density-Umgebungen, 160 MHz nur in klar abgegrenzten Zonen mit wenigen Access Points, 320 MHz nur für Einzelfälle.
  • Automatische Kanalvergabe: ja, aber mit eingeschränktem Kanal- und Breiten-Pool. Ein RF-Management, dem 160 MHz erlaubt ist, wird sie irgendwann auch nutzen.

Die Kanalbreite legen wir nicht am Schreibtisch fest. Grundlage ist ein kapazitätsorientierter Site Survey mit AP-on-a-Stick-Messung vor Ort und Spektrumanalyse: Das geplante Access-Point-Modell wird temporär an der späteren Montageposition aufgebaut und real vermessen, im 6-GHz-Band mit der LPI-Leistung, die später tatsächlich gilt. Erst die Messung zeigt, wie viele Access Points sich auf einer Fläche wirklich hören, welche Fremdnetze aktiv sind und ob in der Umgebung Radarereignisse zu erwarten sind.

Im Betrieb machen wir den Konflikt sichtbar. Das Monitoring (z. B. CheckMK oder ein Herstellertool) überwacht Access Points, Radios und Controller und alarmiert bei Ausfällen und Kanalwechseln. Graylog sammelt die Syslog-Meldungen der WLAN-Infrastruktur, darunter DFS-Radarereignisse mit Kanal und Zeitpunkt. In grafischen Tools (bspw. Grafana) werten wir Kanalauslastung, Retry-Raten und Client-SNR über Wochen aus. Damit lässt sich belegen, ob ein Wechsel von 40 auf 20 MHz in einer Halle tatsächlich weniger Retransmissions bringt oder ob ein bestimmter 5-GHz-Kanal regelmäßig durch Radar geräumt wird. Eine saubere physische Dokumentation, z. B. NetBox, hält als Source-of-Truth fest, welcher Access Point wo hängt, an welchem Switch er angeschlossen ist und mit welchem Kanalprofil er geplant ist.

Was oft übersehen wird

Clients sind die wahren Herrscher. Viele Handscanner, Medizingeräte und Maschinensteuerungen arbeiten nur mit 20 oder 40 MHz, unterstützen kein 6 GHz oder suchen DFS-Kanäle nur langsam ab. Eine Kanalplanung ohne Kenntnis der Client-Fähigkeiten ist ein Ratespiel.

Der Uplink. Ein Smartphone oder Scanner sendet mit deutlich weniger Leistung als ein Access Point, im 6-GHz-Band gelten für Clients zudem eigene, niedrigere Grenzen. Der SNR-Verlust durch breite Kanäle trifft den Uplink stärker als den Downlink, und viele Anwendungen in Lager und Produktion sind uplink-lastig.

Nachbarnetze. Ein Nachbarmieter im Bürogebäude, der seine Access Points auf 80 MHz und Kanal 36 laufen lässt, belegt einen Primär- oder Sekundärkanal unserer Planung mit. Auf 20 MHz lässt sich dem ausweichen, auf 80 MHz deutlich schwerer.

Außenbereiche. Außen stehen für fest installierte Access Points nur die Kanäle 100 bis 140 des 5-GHz-Bands mit DFS zur Verfügung, 6 GHz ist dort für Access Points nicht zulässig. Breite Kanäle auf dem Logistikhof heißen in Deutschland immer: breite DFS-Kanäle.

Fazit

WLAN-Kanalbündelung erhöht die Spitzenrate einzelner Clients, stabiler wird das Netz dadurch nicht. In Deutschland bekommt ein breiterer Kanal keine zusätzliche Sendeleistung, verliert 3 dB SNR pro Verdopplung und reduziert die Zahl der Kanäle für die Wiederverwendung. Im 2,4-GHz-Band ist Bündelung ausgeschlossen, im 5-GHz-Band hängt sie an DFS, im 6-GHz-Band trägt sie bis 80 MHz und darüber nur in kleinen Zonen. Im betriebskritischen Enterprise-WLAN gewinnt in aller Regel der schmalere, sauber geplante Kanal.

Die richtige Kanalbreite ist deshalb nicht nur eine Einstellung im Controller, sondern das Ergebnis aus Messung, Client-Inventur, Kanalplanung und Betriebsdaten. In der Evaluierung messen wir bei Gigahertz vor Ort, analysieren Spektrum und Endgerätebestand und rechnen den Kanalplan pro Band und Fläche durch, bevor eine Hardware-Entscheidung fällt. In der Umsetzung pilotieren wir auf einer repräsentativen Fläche und migrieren, wenn möglich, im laufenden Betrieb. Am Ende steht kein Best-Practice-WLAN, sondern eine individuelle Lösung, die in der eigenen Halle, im eigenen Bürogebäude und mit den eigenen Endgeräten stabil funktioniert.

Häufige Fragen

Welche Kanalbreite ist im Enterprise-WLAN im 5-GHz-Band sinnvoll?

In dichten Umgebungen wie Lager, Produktion oder Großraumbüro in der Regel 20 MHz, weil dann alle 19 in Deutschland zulässigen 5-GHz-Kanäle für die Wiederverwendung zur Verfügung stehen. In normal belegten Büroflächen kann 40 MHz funktionieren, wenn die Kanalplanung das trägt. Bei 80 und 160 MHz bleiben in Deutschland nur vier beziehungsweise zwei Kanäle übrig.

Warum macht Kanalbündelung das WLAN nicht automatisch schneller?

Jede Verdopplung der Kanalbreite kostet rund 3 dB Signal-Rausch-Abstand, weil das Rauschen mit der Bandbreite steigt und die zulässige Sendeleistung in Deutschland bereits bei 20 MHz ausgeschöpft ist. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Kanäle, und Access Points müssen sich häufiger einen Kanal teilen. Im Nahbereich steigt die Rate, am Zellrand und in dichten Netzen oft nicht.

Welche Rolle spielt DFS bei breiten Kanälen?

Im deutschen 5-GHz-Band hängt jeder 160-MHz-Kanal und drei von vier 80-MHz-Kanälen an DFS. Erkennt ein Access Point Radar auf einem einzigen Teilkanal, muss er den gesamten Kanal für 30 Minuten räumen. Vor der Nutzung eines neuen DFS-Kanals lauscht er 60 Sekunden, auf den Wetterradar-Kanälen 120 bis 128 sogar 10 Minuten.

Lohnt sich Kanalbündelung im 6-GHz-Band?

Ja, bis 80 MHz. Das 6-GHz-Band bietet in Deutschland 24 Kanäle ohne DFS und damit sechs 80-MHz-Kanäle. Bei 160 MHz bleiben drei Kanäle, bei 320 MHz faktisch einer. Weil die Sendeleistung für Innenraum-Access-Points auf 23 dBm begrenzt ist, werden breite Zellen zudem kleiner. Das obere 6-GHz-Band oberhalb von Kanal 93 ist in Europa für WLAN nicht freigegeben.

Glossar

Channel Bonding
Kanalbündelung: Zusammenfassung benachbarter 20-MHz-WLAN-Kanäle zu 40, 80, 160 oder 320 MHz, um die Datenrate pro Übertragung zu erhöhen.
Primärkanal
Der 20-MHz-Teilkanal eines gebündelten Kanals, über den Beacons, Management-Frames und Übertragungen schmalbandiger Clients laufen.
SNR
Signal-to-Noise Ratio: Abstand zwischen Nutzsignal und Rauschen in dB. Je höher der SNR, desto höher die nutzbare Modulationsstufe.
Noise Floor
Grundrauschen eines Funkkanals. Das thermische Rauschen steigt mit der Kanalbreite, um 3 dB pro Verdopplung.
MCS
Modulation and Coding Scheme: Kombination aus Modulation und Fehlerkorrektur, die die Datenrate einer WLAN-Übertragung bestimmt.
EIRP
Equivalent Isotropically Radiated Power: abgestrahlte Leistung inklusive Antennengewinn. Darauf beziehen sich die Grenzwerte der Bundesnetzagentur.
DFS
Dynamic Frequency Selection: Pflichtmechanismus in Teilen des 5-GHz-Bands, der Radarsignale erkennt und den Access Point zum Kanalwechsel zwingt.
TPC
Transmit Power Control: Sendeleistungsregelung, die im 5-GHz-Band ab Kanal 52 vorgeschrieben ist.
CAC
Channel Availability Check: Lauschphase vor der Nutzung eines DFS-Kanals, 60 Sekunden, auf den Kanälen 120 bis 128 10 Minuten.
Co-Channel Contention (CCC)
Gleichkanal-Konkurrenz: Mehrere Access Points und Clients auf demselben Kanal hören sich, warten per CSMA/CA aufeinander und teilen sich die Airtime. Die Frames bleiben intakt, es sinkt der Durchsatz pro Zelle.
Co-Channel Interference (CCI)
Verbreiteter, aber ungenauer Begriff für Co-Channel Contention. Interferenz im eigentlichen Sinn zerstört Frames, etwa durch überlappende Nachbarkanäle oder Fremdstörer. Access Points auf demselben Kanal, die sich sauber hören, warten dagegen aufeinander.
CSMA/CA
Carrier Sense Multiple Access with Collision Avoidance: Zugriffsverfahren im WLAN. Jedes Gerät prüft vor dem Senden, ob der Kanal frei ist, und wartet sonst eine zufällige Zeit ab.
Airtime
Sendezeit auf einem Funkkanal. Da pro Kanal und Zelle immer nur ein Gerät gleichzeitig sendet, ist sie die eigentlich knappe Ressource im WLAN.
LPI
Low Power Indoor: Geräteklasse im 6-GHz-Band für Innenräume mit maximal 23 dBm EIRP und 10 dBm/MHz Leistungsdichte.
VLP
Very Low Power: Geräteklasse im 6-GHz-Band für tragbare Geräte, innen und außen, mit maximal 14 dBm EIRP und 1 dBm/MHz.
Reduced Neighbor Report
Information in den Beacons des 2,4- und 5-GHz-Bands, über die Clients die 6-GHz-Netze desselben Access Points finden.
WPA3
Aktueller WLAN-Sicherheitsstandard, im 6-GHz-Band verpflichtend.
Preamble Puncturing
Verfahren, bei dem gestörte 20-MHz-Teilkanäle aus einem Kanal ab 80 MHz ausgespart werden und der Rest des Kanals nutzbar bleibt.
MLO
Multi-Link Operation: Wi-Fi-7-Funktion, mit der ein Client gleichzeitig über mehrere Bänder verbunden ist, für mehr Durchsatz oder mehr Ausfallsicherheit.
Free Space Path Loss (FSPL)
Freiraumdämpfung: Signalverlust auf der Strecke zwischen Sender und Empfänger ohne Hindernisse. Er steigt mit Entfernung und Frequenz, 6 GHz verliert daher etwas mehr als 5 GHz.
Roaming
Wechsel eines Clients von einem Access Point zum nächsten, ohne dass die Verbindung zur Anwendung abbricht.
Site Survey
Funkausleuchtung: Messung und Planung der WLAN-Abdeckung und -Kapazität vor Ort, bei uns mit AP-on-a-Stick-Messung und Spektrumanalyse.
Source-of-Truth
Zentrale, verbindliche Datenquelle für den Soll-Zustand des Netzwerks, bei uns NetBox.

Quellen und fachliche Grundlage

Fachliche Prüfung: 16.10.2026. Die Angaben zu Kanälen, Sendeleistung und DFS beziehen sich auf die Allgemeinzuteilungen der Bundesnetzagentur und die Norm ETSI EN 301 893. Die Werte zu Noise Floor und Leistungsdichte je Kanalbreite sind daraus abgeleitet. Die Frequenzregulierung ändert sich, besonders im 6-GHz-Band. Vor einer konkreten Planung sind die aktuellen Fassungen ggf. erneut zu prüfen.

Weiterführend

Bild: KI-generiert.

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